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Schlagwort-Archive: Sexarbeit

Albert, Martin/Wege, Julia (2015): Soziale Arbeit und Prostitution. Professionelle Handlungsansätze in Theorie und Praxis, Springer. 

Zusammenfassung

Das vorliegende Buch stellt auf dieser Grundlage eine erste Bestandsaufnahme im Kontext von Sozialer Arbeit und Prostitution dar, wobei der Fokus auf der professionellen Sozialen Arbeit in theoretischer und praktischer Hinsicht liegt. Es war ein zentrales Anliegen, dass die Autoren, welche alle über ein hohes Maß an Theorie- und Praxiswissen verfügen, ihre Sichtweise des komplexen Bereiches auf der Grundlage der Methoden und Beratungsansätze der Sozialen Arbeit vorstellen. Dies erfolgte in Beziehung zu den zugrundeliegenden Lebenswelten und Bedürfnissen der damit verbundenen Zielgruppen. Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig in der professionellen Sozialen Arbeit mit Frauen, die in der Prostitution tätig sind. Sowohl zur Unterscheidung und Klärung der beiden Bereiche, aber auch als wichtige Ergänzung zur methodischen Schwerpunktsetzung verstehen wir die beiden Beiträge, welche die Soziale Arbeit mit Opfern von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung thematisieren. Dies erscheint insofern sinnvoll, zumal selbst innerhalb der professionellen Sozialen Arbeit ein hoher Klärungs- und Informationsbedarf besteht. Allen Fachbeiträgen ist gemeinsam, dass ein Bezug auf Falldarstellungen aus der Praxis und auf die grundlegenden sozialarbeiterischen Methoden wie z. B. Einzelfallhilfe, Casemanagement, Gruppenarbeit, Netzwerkarbeit, Gemeinwesenarbeit und Supervision genommen wird. Damit ist es gelungen, den Schwerpunkt des professionellen Handelns in den Mittelpunkt zu stellen.

Kathrin SchraderDrogenprostitutionEine intersektionale Betrachtung zur Handlungsfähigkeit drogengebrauchender Sexarbeiterinnen. Bielefeld: transcript Verlag 2013.

Dieses Buch gibt Einblicke in die Lebenswelt drogengebrauchender Sexarbeiterinnen. Entlang von Interviews wird illustriert, wie sie trotz ihrer Verletzungen handlungsfähig sind und täglich um ihre Würde ringen. Mithilfe poststrukturalistischer Theorien und der intersektionalen Mehrebenenanalyse werden die massiven Ausbeutungsverhältnisse untersucht und im Zuge dessen die dichotome Opfer- und/oder Täterinnenperspektive auf »Drogenprostituierte« dekonstruiert. Um der Sprach- und der damit verbundenen Rechtlosigkeit von »Drogenprostituierten« begegnen zu können, werden zudem Strategien der Selbstermächtigung vorgeschlagen.
Das Buch eröffnet dadurch neue Perspektiven auf die Praxis der Sozialen Arbeit.

Link zur Einleitung

Vortrag (PowerPoint) zum Thema 

Rezension: 

querelles-net.de 

Wagner, Petra, and Judith Winter (Standort Linz). 2014. “Sexualdienstleistung in Österreich: Eine Analyse der Gesetzgebung mit Fokus auf das Sexualdienstleistungsgesetz in Oberösterreich.” soziales_kapital 11 (0) (January 30). http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/view/311.
1. Einleitung
Befasst man sich mit Sexualdienstleistung, so muss zunächst deutlich gemacht werden, dass es sich dabei um einen in unserer Gesellschaft stigmatisierten und zugleich tabuisierten Themenbereich handelt. Dabei geht das Ausmaß der Tabuisierung häufig einher mit der rechtlichen Situation in diesem Bereich. Das bedeutet, dass die Sichtweise in der Gesellschaft auf die Ausübung dieser Tätigkeit in direkter Beziehung mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen steht.

 

Hunecke, Ina (2011): Das Prostitutions­gesetz und seine Umsetzung, Hamburg. (Buch) 

Prostituierte/Sexarbeiter(innen) waren und sind eine kaum organisierte Minderheit, deren Anliegen selten ernstgenommen und berücksichtigt werden und wurden. Daran hat auch das im Jahre 2002 in Kraft getretene ProstG nur auf den ersten Blick etwas geändert. Die Sexarbeit ist weiter umstritten und wird meist in einem Atemzug mit Menschen­handel, Zwangsprostitution und Kriminalität genannt. Dass es aber durchaus viele Sexarbeiter(innen) gibt, die sich diese Art der Erwerbs­tätigkeit selbst gewählt haben, wird dabei aus dem Blick verloren; dabei zielt das ProstG gerade auf diese Gruppe ab.

Für gesetzliche Änderungen im Bereich der Sexarbeit wird als Grund oft angeführt, dass eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in diesem Bereich erreicht werden soll. Tatsächlich werden die Änderungen aber zur Erreichung ganz anderer Ziele genutzt. Die Beleuchtung dieses Umstandes sowie die Frage wie und von wem das ProstG bis heute implementiert wurde, ist Gegenstand der Untersuchung.

Im historischen Teil zur Lebenswelt der Prostituierten und der mit ihnen in Zusammenhang stehenden Gesetzgebung ab 1865 wird deutlich, dass die Diskussionen und die dort angeführten Argumente der Gegenwart weitgehend mit denen des ausgehenden 19ten Jahrhunderts identisch sind.

Ein Gesetz ohne Implementierung ist nur beschriebenes Papier, daher werden die möglichen und tatsächlichen Implementationsakteure mit ihren Zielen, Vorstellungen und Projekten beleuchtet. Es wird auch hinterfragt, wie die Sexarbeiter(innen) zum ProstG stehen und ob bzw. wie sich das ProstG auf ihre Arbeit ausgewirkt hat. Darüber hinaus erfolgt eine exemplarische Darstellung verschiedener Veröffentlichungen aus neuerer Zeit zur Thematik der Sexarbeit.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass auch heutzutage viel über, aber selten mit den in der Sexarbeit Aktiven gesprochen wird und es sehr fraglich ist, ob sich die Ziele des ProstG mit den Bedürfnissen der Sexarbeiter(innen) decken.

Pichler, Bernhard (2013): Sex als Arbeit: Prostitution als Tätigkeit im Sinne des Arbeitsrechts, diesserta Verlag. (Buch)

Dass Prostitution das älteste Gewerbe der Welt ist, gilt als allseits bekannt. Abhängig von sich ständig ändernden Moralvorstellungen der Gesellschaft, genießt dieses Gewerbe mal mehr, mal weniger Akzeptanz. Dass ein solch heikles Thema oft zum Polemisieren verleitet, zeigen verschiedene, oft sehr extreme Standpunkte, die sich nicht nur in Meinungen einzelner, sondern auch in Regelungsabsichten ganzer Staaten widerspiegeln. Prostitution wird dabei oft als notwendiges Übel angesehen ein Übel, bei dem die Hauptleidtragenden meist die Prostituierten selbst sind. Die wichtigste Frage ist, ob eine Anerkennung der Prostitution als legale und sozial anerkannte Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen eine reale Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Betroffenen mit sich bringt. In Deutschland wurden 2002 die rechtliche Gleichstellung von SexarbeiterInnen am Arbeitsmarkt und deren sozialversicherungsrechtliche Absicherung verankert. Damit wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen, der die Frauen nicht mehr vor der Prostitution bewahren, sondern vielmehr Schutz in der Prostitution gewährleisten sollte ein Ziel, das sich auch in Österreich bald durchsetzen könnte.

Martina Schuster: Kampf um Respekt. Eine ethnografische Studie über Sexarbeiterinnen. Tübinger Vereinigung für Volkskunde (Tübingen) 2003.

Als Prostituierte in unserer Gesellschaft zu leben, bedeutet zunächst soziale Verachtung, den Verlust von Selbstbestimmung und die Verletzung von Würde. Was oft unbeachtet bleibt, ist das Bemühen vieler Sexarbeiterinnen um Respekt und Anerkennung, ihr Kampf gegen traditionelle Moralvorstellungen und dür die Legitimität ihrer Lebensform. Die Autorin der vorliegenden Studie ging während ihrer Feldforschung bei der Selbsthilfe- und Beratungsstelle Kassandra und im Nürnberger Prostitutionsmilieu der Frage nach, wie die Handlungsbedingungen von Sexarbeiterinnen aussehen, und sie entdeckte Strategien, mit denen sich Prostituierte trotz ihrer Stigmatisierung Freiräume schaffen.

Rezensionen und Artikel:

Rezension auf socialnet.de

Prostitution professionell. Über die Sozialtechniken von Sexarbeiterinnen (M. Schuster)

zwangsprostitution, sexarbeit, menschenhandel. kampagnen zur WM 2006 (M. Schuster; A. Sülzle)

Grenz, Sabine/Lücke, Martin, 2006, Verhandlungen im Zwielicht. Momente der Prostitution in Geschichte und Gegenwart, Bielefeld: Transcript.
(Auszug)

In diesem interdisziplinärem Band versammelt sich ein Teil der derzeitigen europäischen Forschung zur Prostitution. Diese Forschung bemüht sich nicht länger um die Erkundung sexueller Devianzen, vielmehr geht sie davon aus, dass Prostitution in die jeweilige Gesellschaft und Kultur eingebettet ist. In den Beiträgen wird deutlich, wie das historisch gewachsene und geschlechtlich kodierte Wissen über Sexualität, aber auch über Geld, Handel, Raum oder Visualität auf die Prostitution und ihre jeweiligen Repräsentationen einwirkt und durch sie reproduziert wird.

Artikel und Rezensionen über das Buch:

http://www.fr-online.de/literatur/wie-der-sex-kaeuflich-wurde,1472266,3145748.html