Themenheft „Prostitution“ in Aus Politik und Zeitgeschichte – APuZ/bpb.de, 2013

Seit 2002 gilt in Deutschland eine der liberalsten Prostitutionsgesetzgebungen Europas. Obwohl das Gesetz zu einer Neubewertung der Prostitution führte und die rechtliche Situation von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern verbesserte, fällt die Bilanz gemischt aus. Eine Verbesserung der häufig inakzeptablen Arbeitsbedingungen von Prostituierten wurde bisher nicht im intendierten Maße erreicht. Bis heute gibt es weder eine Regulierung durch gewerberechtliche Auflagen noch regelmäßige Kontrollen von Prostitutionsbetrieben.

Die mediale Debatte wird häufig allein auf der moralischen Ebene geführt. Themenbereiche werden vermischt. Es gilt, in die Forschung zu Rahmenbedingungen, Alltag und Akteuren zu investieren, um eine sachliche Auseinandersetzung zu befördern, Prostitution aus der gesellschaftlichen Grauzone zu holen und Prostituierte besser zu schützen.

Die komplette Ausgabe des Heftes kann hier gelesen und heruntergeladen werden. 

Inhalt:

Brückner, M. / Eickel, M. / Ernst-Pörksen, M. / Grenz, S. / Holznagel, I. / Kavemann, B. / Winter, D. / Kavemann, B. / Rabe, H. (Hg.): Das Prostitutionsgesetz. Leverkusen: Barbara Budrich, 2009.

Sechs Jahre nach Inkrafttreten des deutschen Prostitutionsgesetzes (2002) zieht dieses Buch Bilanz: Wie wirkt sich das Gesetz auf Prostitution in Deutschland aus? Welche Probleme, Perspektiven ergeben sich, wie sieht die Wirklichkeit aus? Um die deutsche Situation besser einordnen zu können, werden europäische Perspektiven vergleichend herangezogen.

Aus dem Inhalt:

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Wagner, Petra, and Judith Winter (Standort Linz). 2014. “Sexualdienstleistung in Österreich: Eine Analyse der Gesetzgebung mit Fokus auf das Sexualdienstleistungsgesetz in Oberösterreich.” soziales_kapital 11 (0) (January 30). http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/view/311.
1. Einleitung
Befasst man sich mit Sexualdienstleistung, so muss zunächst deutlich gemacht werden, dass es sich dabei um einen in unserer Gesellschaft stigmatisierten und zugleich tabuisierten Themenbereich handelt. Dabei geht das Ausmaß der Tabuisierung häufig einher mit der rechtlichen Situation in diesem Bereich. Das bedeutet, dass die Sichtweise in der Gesellschaft auf die Ausübung dieser Tätigkeit in direkter Beziehung mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen steht.

 

von Galen, Margarete ( 2004): Rechtsfragen der Prostitution : das Prostitutionsgesetz und seine Auswirkungen, München.

Inhaltsverzeichnis

Das neue ProstG anwenden – aber wie?

Das Entgelt für die Tätigkeit der Prostituierten kann nach dem neuen Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten jetzt zivilrechtlich wirksam vereinbart werden. Ferner wird durch Änderung des Strafgesetzbuches ein angemessenes Arbeitsumfeld für Prostituierte ermöglicht. Mit dem ProstG sind zahlreiche, verschiedene Rechtsgebiete betreffende Anwendungsfragen verbunden.

Die Neuerscheinung

    • behandelt umfassend und kompetent sämtliche mit dem Thema Prostitution zusammenhängenden Rechtsfragen wie z.B.: – zivil- und arbeitsrechtliche Aspekte des ProstG: u.a. Auswirkungen des Verzichts der Einstufung der Prostitution als sittenwidrig – sozialversicherungsrechtliche Gesichtspunkte: u.a. versicherungs-, beitrags- und melderechtliche Fragen; Arbeitsförderungsrecht – strafrechtliche Aspekte: u.a. Folgen der Streichung des § 180a Abs. 1 Nr. 2 StGB a.F. – Auswirkungen des ProstG auf andere Rechtsgebiete: Wohnungseigentums- und Mietrecht; Gewerberecht; GaststättenG; Baurecht; Sperrbezirksfestlegung; Steuerrecht; Ausländerrecht
  • gibt einen Ausblick auf die rechtlichen Regelungen der Prostitution in Europa
  • enthält im Anhang den Text des ProstG mit Begründung.

 

 

Hunecke, Ina (2011): Das Prostitutions­gesetz und seine Umsetzung, Hamburg. (Buch) 

Prostituierte/Sexarbeiter(innen) waren und sind eine kaum organisierte Minderheit, deren Anliegen selten ernstgenommen und berücksichtigt werden und wurden. Daran hat auch das im Jahre 2002 in Kraft getretene ProstG nur auf den ersten Blick etwas geändert. Die Sexarbeit ist weiter umstritten und wird meist in einem Atemzug mit Menschen­handel, Zwangsprostitution und Kriminalität genannt. Dass es aber durchaus viele Sexarbeiter(innen) gibt, die sich diese Art der Erwerbs­tätigkeit selbst gewählt haben, wird dabei aus dem Blick verloren; dabei zielt das ProstG gerade auf diese Gruppe ab.

Für gesetzliche Änderungen im Bereich der Sexarbeit wird als Grund oft angeführt, dass eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in diesem Bereich erreicht werden soll. Tatsächlich werden die Änderungen aber zur Erreichung ganz anderer Ziele genutzt. Die Beleuchtung dieses Umstandes sowie die Frage wie und von wem das ProstG bis heute implementiert wurde, ist Gegenstand der Untersuchung.

Im historischen Teil zur Lebenswelt der Prostituierten und der mit ihnen in Zusammenhang stehenden Gesetzgebung ab 1865 wird deutlich, dass die Diskussionen und die dort angeführten Argumente der Gegenwart weitgehend mit denen des ausgehenden 19ten Jahrhunderts identisch sind.

Ein Gesetz ohne Implementierung ist nur beschriebenes Papier, daher werden die möglichen und tatsächlichen Implementationsakteure mit ihren Zielen, Vorstellungen und Projekten beleuchtet. Es wird auch hinterfragt, wie die Sexarbeiter(innen) zum ProstG stehen und ob bzw. wie sich das ProstG auf ihre Arbeit ausgewirkt hat. Darüber hinaus erfolgt eine exemplarische Darstellung verschiedener Veröffentlichungen aus neuerer Zeit zur Thematik der Sexarbeit.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass auch heutzutage viel über, aber selten mit den in der Sexarbeit Aktiven gesprochen wird und es sehr fraglich ist, ob sich die Ziele des ProstG mit den Bedürfnissen der Sexarbeiter(innen) decken.

Pichler, Bernhard (2013): Sex als Arbeit: Prostitution als Tätigkeit im Sinne des Arbeitsrechts, diesserta Verlag. (Buch)

Dass Prostitution das älteste Gewerbe der Welt ist, gilt als allseits bekannt. Abhängig von sich ständig ändernden Moralvorstellungen der Gesellschaft, genießt dieses Gewerbe mal mehr, mal weniger Akzeptanz. Dass ein solch heikles Thema oft zum Polemisieren verleitet, zeigen verschiedene, oft sehr extreme Standpunkte, die sich nicht nur in Meinungen einzelner, sondern auch in Regelungsabsichten ganzer Staaten widerspiegeln. Prostitution wird dabei oft als notwendiges Übel angesehen ein Übel, bei dem die Hauptleidtragenden meist die Prostituierten selbst sind. Die wichtigste Frage ist, ob eine Anerkennung der Prostitution als legale und sozial anerkannte Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen eine reale Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Betroffenen mit sich bringt. In Deutschland wurden 2002 die rechtliche Gleichstellung von SexarbeiterInnen am Arbeitsmarkt und deren sozialversicherungsrechtliche Absicherung verankert. Damit wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen, der die Frauen nicht mehr vor der Prostitution bewahren, sondern vielmehr Schutz in der Prostitution gewährleisten sollte ein Ziel, das sich auch in Österreich bald durchsetzen könnte.

Fabian Kessl, Michaela Weber (2013):  Sprach- und Kulturmittlerinnen als Instrument in niedrigschwelligen Angeboten für migrantische Sexarbeiterinnen, in: Sozial Extra March 2013, Volume 37, Issue 3-4, pp 9-13.

Abstract

Die Evaluation des Projekts „JuMP In, Junge Migrantinnen in Prostitution integrieren — Abbau interkultureller Unterschiede und Verbesserung sprachlicher Kommunikation” widmete sich dem Einsatz von muttersprachlichen Honorarkräften, so genannten Sprach- und Kulturmittlerinnen, in der Aufsuchenden Arbeit mit migrantischen Sexarbeiterinnen. Im Beitrag werden zentrale Evaluationsbefunde vorgestellt.